Rentner hält einen Briefumschlag mit seiner bAV-Auszahlung in den Händen

bAV Auszahlung: Steuer, Berechnung und was du beachten musst

bAV Auszahlung: Steuer, Berechnung und was du beachten musst

Autor: Hannes Weindorf

"Hannes, mein Mitarbeiter geht nächstes Jahr in Rente und fragt, wie viel von seiner Betriebsrente übrig bleibt. Was sage ich ihm?" Eine Frage, die mit wachsender bAV-Nutzung immer häufiger kommt.

Die Kurzversion: Die Betriebsrente wird im Alter voll besteuert (Einkommensteuer) und ist kranken-/pflegeversicherungspflichtig — aber es gibt einen Freibetrag. In diesem Artikel erkläre ich die Auszahlungsregeln, damit du deinem Team die richtigen Antworten geben kannst.

TL;DR

bAV-Auszahlung wird voll besteuert (nachgelagerte Besteuerung) — aber Steuersatz im Alter meist 15–25 % statt 30–42 %. KV/PV-Beiträge fallen an, aber seit 2020 mit Freibetrag (~176 €/Monat). Bei 400 € Betriebsrente bleiben ~276 € netto. Für 110 € Netto-Aufwand über 30 Jahre = Faktor 2,5. Monatliche Rente fast immer günstiger als Einmalzahlung. AG-Tipp: Informiere MA ab 55 proaktiv.

"Hannes, mein Mitarbeiter geht nächstes Jahr in Rente und fragt, wie viel von seiner Betriebsrente übrig bleibt. Was sage ich ihm?" Eine Frage, die mit wachsender bAV-Nutzung immer häufiger kommt.

Die Kurzversion: Die Betriebsrente wird im Alter voll besteuert (Einkommensteuer) und ist kranken-/pflegeversicherungspflichtig — aber es gibt einen Freibetrag. In diesem Artikel erkläre ich die Auszahlungsregeln, damit du deinem Team die richtigen Antworten geben kannst.

Wie wird die bAV-Auszahlung besteuert?

Die bAV nutzt die nachgelagerte Besteuerung: Die Einzahlungen waren steuer- und SV-frei (§ 3 Nr. 63 EStG). Dafür wird die Auszahlung im Alter voll besteuert — wie normales Einkommen.

Was das konkret heißt:

  • Die Betriebsrente wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert

  • Im Alter liegt dieser Satz meist bei 15–25 % (statt 30–42 % im Erwerbsleben)

  • Der Steuervorteil bleibt positiv — weil der Satz im Alter niedriger ist

Steuer auf Einmalzahlung (Kapitalabfindung)

Wählt dein Mitarbeiter eine Einmalzahlung statt monatlicher Rente, wird der gesamte Betrag im Auszahlungsjahr besteuert. Das kann den Steuersatz nach oben treiben — die sogenannte Fünftelregelung (§ 34 EStG) kann hier mildern.

Praxis-Tipp: Monatliche Rente ist steuerlich fast immer günstiger als Einmalzahlung — weil das Einkommen im Rentenalter über viele Jahre verteilt wird.

KV- und PV-Beiträge auf die Betriebsrente

Gesetzlich Krankenversicherte zahlen auf die Betriebsrente den vollen Beitragssatz (AG- und AN-Anteil) zur Kranken- und Pflegeversicherung. Das war lange der größte Kritikpunkt an der bAV.

Seit 2020: Freibetrag!

Das GKV-Betriebsrentenfreibetragsgesetz hat die Situation deutlich verbessert:


2019 (vorher)

2026 (aktuell)

Freibetrag

0 € (Freigrenze!)

~176 €/Monat (Freibetrag!)

Betriebsrente 200 €

KV/PV auf 200 € ≈ 36 €

KV/PV auf 24 € ≈ 4,30 €

Betriebsrente 500 €

KV/PV auf 500 € ≈ 90 €

KV/PV auf 324 € ≈ 58 €

Der Unterschied zwischen Freigrenze und Freibetrag:

  • Freigrenze (bis 2019): Wird sie überschritten, wird auf den gesamten Betrag kassiert

  • Freibetrag (seit 2020): Wird er überschritten, wird nur auf den übersteigenden Betrag kassiert

Das macht einen enormen Unterschied: Bei 200 € Betriebsrente zahlt man 2026 nur ~4 € KV/PV statt ~36 €.

Privat Versicherte: Kein KV/PV-Abzug auf die Betriebsrente — sie zahlen ihren privaten KV-Beitrag unabhängig vom Einkommen.

Einmalzahlung oder monatliche Rente?

Kriterium

Monatliche Rente

Einmalzahlung

Steuer

Jährlich auf kleinen Betrag → niedriger Steuersatz

Gesamtbetrag in einem Jahr → hoher Steuersatz

KV/PV

Monatlich auf Rente (mit Freibetrag)

10 Jahre lang 1/120 des Betrags KV-pflichtig

Langlebigkeitsrisiko

Lebenslang garantiert

Eigenes Risiko (Geld kann ausgehen)

Flexibilität

Gering

Hoch (Eigenanlage möglich)

Empfehlung

Für die meisten Mitarbeiter besser

Nur bei hohem Privatvermögen sinnvoll

Rechenbeispiel: Was bleibt netto?

SZENARIO: Betriebsrente 400 /Monat (Direktversicherung)

BRUTTO-RENTE:                     400,00 

ABZÜGE:
Einkommensteuer (~20 % Grenzsteuersatz): -80,00 
KV-Beitrag (~14,6 % + Zusatz auf 224 über Freibetrag): -36,00 
PV-Beitrag (~3,4 % auf 224):   -7,60 

= NETTO-BETRIEBSRENTE:            ~276 /Monat

VERGLEICH: Was hat es gekostet?
Angenommen 30 Jahre, 200 Umwandlung + 50 AG-Zuschuss = 250 /Monat
Netto-Aufwand des MA: ~110 /Monat über 30 Jahre

110 eingezahlt 276 Netto-Rente (lebenslang)
Faktor 2,5 trotz Steuer und KV im Alter
SZENARIO: Betriebsrente 400 /Monat (Direktversicherung)

BRUTTO-RENTE:                     400,00 

ABZÜGE:
Einkommensteuer (~20 % Grenzsteuersatz): -80,00 
KV-Beitrag (~14,6 % + Zusatz auf 224 über Freibetrag): -36,00 
PV-Beitrag (~3,4 % auf 224):   -7,60 

= NETTO-BETRIEBSRENTE:            ~276 /Monat

VERGLEICH: Was hat es gekostet?
Angenommen 30 Jahre, 200 Umwandlung + 50 AG-Zuschuss = 250 /Monat
Netto-Aufwand des MA: ~110 /Monat über 30 Jahre

110 eingezahlt 276 Netto-Rente (lebenslang)
Faktor 2,5 trotz Steuer und KV im Alter

Was du als Arbeitgeber wissen musst

Deine Rolle bei der Auszahlung: In der Regel keine. Bei einer Direktversicherung zahlt der Versicherer direkt an den ehemaligen Mitarbeiter. Du hast keine laufende Verpflichtung mehr.

Ausnahme Direktzusage: Hier zahlst du die Betriebsrente aus deiner Bilanz — deshalb ist die Direktzusage für KMU meist nicht empfehlenswert.

Informationspflicht: Dein Mitarbeiter sollte vor Renteneintritt wissen, was netto übrig bleibt. Viele werden enttäuscht, wenn sie die Abzüge erst im Alter sehen. Proaktive Kommunikation — idealerweise ab 55 — verhindert Frustration und stärkt das Vertrauen.

Tipp für die Praxis: Lade deinen bAV-Anbieter einmal jährlich ein, den Mitarbeitern ab 50 eine Hochrechnung zu zeigen. Das kostet nichts und zeigt: Du kümmerst dich.

Häufige Fragen

Wie wird die betriebliche Altersvorsorge bei Auszahlung versteuert? Die Betriebsrente wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert — im Alter typischerweise 15–25 %. Zusätzlich fallen KV- und PV-Beiträge an, allerdings erst oberhalb eines Freibetrags von ~176 €/Monat. Privat Versicherte zahlen keine KV/PV auf die Betriebsrente.

Lohnt sich Einmalzahlung oder monatliche Rente? Für die meisten ist die monatliche Rente günstiger: niedrigerer Steuersatz (Verteilung über Jahre) und lebenslange Garantie. Die Einmalzahlung kann in einem Jahr den Steuersatz hochdrücken. Sie lohnt sich nur, wenn du das Geld selbst anlegen und das Langlebigkeitsrisiko tragen willst.

Muss ich als Arbeitgeber die Betriebsrente auszahlen? Nur bei Direktzusage — dort zahlst du aus der Bilanz. Bei Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds zahlt der Versicherer direkt an den ehemaligen Mitarbeiter. Du hast nach Ausscheiden keine Rolle mehr.

Was ist der Freibetrag bei der Betriebsrente? Seit 2020 gibt es einen Freibetrag für KV-Beiträge auf Betriebsrenten (GKV-Betriebsrentenfreibetragsgesetz). 2026 liegt er bei ca. 176 €/Monat. Nur der Betrag darüber ist KV/PV-pflichtig. Das hat die Netto-Rente deutlich verbessert.

Fazit

Die bAV-Auszahlung wird besteuert und ist (teilweise) KV-pflichtig. Aber: Der Steuersatz im Alter ist fast immer niedriger als im Erwerbsleben, und der Freibetrag seit 2020 macht die KV-Belastung erträglich. Unterm Strich bleibt die bAV ein gutes Geschäft — besonders mit AG-Zuschuss.

Deine Aufgabe als Arbeitgeber: Kommuniziere die Auszahlungsregeln frühzeitig. Ein informierter Mitarbeiter ist ein zufriedener Mitarbeiter.

Vorsorge-Check buchen → — Unverbindlich · 30 Minuten

Quellen: § 3 Nr. 63 EStG, § 22 Nr. 5 EStG, GKV-Betriebsrentenfreibetragsgesetz 2020, § 229 SGB V

"Hannes, mein Mitarbeiter geht nächstes Jahr in Rente und fragt, wie viel von seiner Betriebsrente übrig bleibt. Was sage ich ihm?" Eine Frage, die mit wachsender bAV-Nutzung immer häufiger kommt.

Die Kurzversion: Die Betriebsrente wird im Alter voll besteuert (Einkommensteuer) und ist kranken-/pflegeversicherungspflichtig — aber es gibt einen Freibetrag. In diesem Artikel erkläre ich die Auszahlungsregeln, damit du deinem Team die richtigen Antworten geben kannst.

Wie wird die bAV-Auszahlung besteuert?

Die bAV nutzt die nachgelagerte Besteuerung: Die Einzahlungen waren steuer- und SV-frei (§ 3 Nr. 63 EStG). Dafür wird die Auszahlung im Alter voll besteuert — wie normales Einkommen.

Was das konkret heißt:

  • Die Betriebsrente wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert

  • Im Alter liegt dieser Satz meist bei 15–25 % (statt 30–42 % im Erwerbsleben)

  • Der Steuervorteil bleibt positiv — weil der Satz im Alter niedriger ist

Steuer auf Einmalzahlung (Kapitalabfindung)

Wählt dein Mitarbeiter eine Einmalzahlung statt monatlicher Rente, wird der gesamte Betrag im Auszahlungsjahr besteuert. Das kann den Steuersatz nach oben treiben — die sogenannte Fünftelregelung (§ 34 EStG) kann hier mildern.

Praxis-Tipp: Monatliche Rente ist steuerlich fast immer günstiger als Einmalzahlung — weil das Einkommen im Rentenalter über viele Jahre verteilt wird.

KV- und PV-Beiträge auf die Betriebsrente

Gesetzlich Krankenversicherte zahlen auf die Betriebsrente den vollen Beitragssatz (AG- und AN-Anteil) zur Kranken- und Pflegeversicherung. Das war lange der größte Kritikpunkt an der bAV.

Seit 2020: Freibetrag!

Das GKV-Betriebsrentenfreibetragsgesetz hat die Situation deutlich verbessert:


2019 (vorher)

2026 (aktuell)

Freibetrag

0 € (Freigrenze!)

~176 €/Monat (Freibetrag!)

Betriebsrente 200 €

KV/PV auf 200 € ≈ 36 €

KV/PV auf 24 € ≈ 4,30 €

Betriebsrente 500 €

KV/PV auf 500 € ≈ 90 €

KV/PV auf 324 € ≈ 58 €

Der Unterschied zwischen Freigrenze und Freibetrag:

  • Freigrenze (bis 2019): Wird sie überschritten, wird auf den gesamten Betrag kassiert

  • Freibetrag (seit 2020): Wird er überschritten, wird nur auf den übersteigenden Betrag kassiert

Das macht einen enormen Unterschied: Bei 200 € Betriebsrente zahlt man 2026 nur ~4 € KV/PV statt ~36 €.

Privat Versicherte: Kein KV/PV-Abzug auf die Betriebsrente — sie zahlen ihren privaten KV-Beitrag unabhängig vom Einkommen.

Einmalzahlung oder monatliche Rente?

Kriterium

Monatliche Rente

Einmalzahlung

Steuer

Jährlich auf kleinen Betrag → niedriger Steuersatz

Gesamtbetrag in einem Jahr → hoher Steuersatz

KV/PV

Monatlich auf Rente (mit Freibetrag)

10 Jahre lang 1/120 des Betrags KV-pflichtig

Langlebigkeitsrisiko

Lebenslang garantiert

Eigenes Risiko (Geld kann ausgehen)

Flexibilität

Gering

Hoch (Eigenanlage möglich)

Empfehlung

Für die meisten Mitarbeiter besser

Nur bei hohem Privatvermögen sinnvoll

Rechenbeispiel: Was bleibt netto?

SZENARIO: Betriebsrente 400 /Monat (Direktversicherung)

BRUTTO-RENTE:                     400,00 

ABZÜGE:
Einkommensteuer (~20 % Grenzsteuersatz): -80,00 
KV-Beitrag (~14,6 % + Zusatz auf 224 über Freibetrag): -36,00 
PV-Beitrag (~3,4 % auf 224):   -7,60 

= NETTO-BETRIEBSRENTE:            ~276 /Monat

VERGLEICH: Was hat es gekostet?
Angenommen 30 Jahre, 200 Umwandlung + 50 AG-Zuschuss = 250 /Monat
Netto-Aufwand des MA: ~110 /Monat über 30 Jahre

110 eingezahlt 276 Netto-Rente (lebenslang)
Faktor 2,5 trotz Steuer und KV im Alter

Was du als Arbeitgeber wissen musst

Deine Rolle bei der Auszahlung: In der Regel keine. Bei einer Direktversicherung zahlt der Versicherer direkt an den ehemaligen Mitarbeiter. Du hast keine laufende Verpflichtung mehr.

Ausnahme Direktzusage: Hier zahlst du die Betriebsrente aus deiner Bilanz — deshalb ist die Direktzusage für KMU meist nicht empfehlenswert.

Informationspflicht: Dein Mitarbeiter sollte vor Renteneintritt wissen, was netto übrig bleibt. Viele werden enttäuscht, wenn sie die Abzüge erst im Alter sehen. Proaktive Kommunikation — idealerweise ab 55 — verhindert Frustration und stärkt das Vertrauen.

Tipp für die Praxis: Lade deinen bAV-Anbieter einmal jährlich ein, den Mitarbeitern ab 50 eine Hochrechnung zu zeigen. Das kostet nichts und zeigt: Du kümmerst dich.

Häufige Fragen

Wie wird die betriebliche Altersvorsorge bei Auszahlung versteuert? Die Betriebsrente wird mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert — im Alter typischerweise 15–25 %. Zusätzlich fallen KV- und PV-Beiträge an, allerdings erst oberhalb eines Freibetrags von ~176 €/Monat. Privat Versicherte zahlen keine KV/PV auf die Betriebsrente.

Lohnt sich Einmalzahlung oder monatliche Rente? Für die meisten ist die monatliche Rente günstiger: niedrigerer Steuersatz (Verteilung über Jahre) und lebenslange Garantie. Die Einmalzahlung kann in einem Jahr den Steuersatz hochdrücken. Sie lohnt sich nur, wenn du das Geld selbst anlegen und das Langlebigkeitsrisiko tragen willst.

Muss ich als Arbeitgeber die Betriebsrente auszahlen? Nur bei Direktzusage — dort zahlst du aus der Bilanz. Bei Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds zahlt der Versicherer direkt an den ehemaligen Mitarbeiter. Du hast nach Ausscheiden keine Rolle mehr.

Was ist der Freibetrag bei der Betriebsrente? Seit 2020 gibt es einen Freibetrag für KV-Beiträge auf Betriebsrenten (GKV-Betriebsrentenfreibetragsgesetz). 2026 liegt er bei ca. 176 €/Monat. Nur der Betrag darüber ist KV/PV-pflichtig. Das hat die Netto-Rente deutlich verbessert.

Fazit

Die bAV-Auszahlung wird besteuert und ist (teilweise) KV-pflichtig. Aber: Der Steuersatz im Alter ist fast immer niedriger als im Erwerbsleben, und der Freibetrag seit 2020 macht die KV-Belastung erträglich. Unterm Strich bleibt die bAV ein gutes Geschäft — besonders mit AG-Zuschuss.

Deine Aufgabe als Arbeitgeber: Kommuniziere die Auszahlungsregeln frühzeitig. Ein informierter Mitarbeiter ist ein zufriedener Mitarbeiter.

Vorsorge-Check buchen → — Unverbindlich · 30 Minuten

Quellen: § 3 Nr. 63 EStG, § 22 Nr. 5 EStG, GKV-Betriebsrentenfreibetragsgesetz 2020, § 229 SGB V

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