Sanduhr neben Euro-Münzstapel — Symbol für Zeitwertkonto und Wertguthaben

Zeitwertkonto für Arbeitgeber: Einrichten, Steuervorteile und Praxis-Leitfaden

Zeitwertkonto für Arbeitgeber: Einrichten, Steuervorteile und Praxis-Leitfaden

Autor: Hannes Weindorf

Sabbatical, Frühpension, Pflegezeit — Zeitwertkonten machen Dinge möglich, die kein anderes Benefit bieten kann: bezahlte Freiheit. Dein Mitarbeiter spart Teile seines Bruttogehalts an, und nimmt sich später eine Auszeit — bei vollem Gehalt und mit Sozialversicherungsschutz.

Klingt nach Großkonzern-Modell? Ist es nicht. Zeitwertkonten funktionieren ab 10 Mitarbeitern, kosten dich als Arbeitgeber im Kern nichts und sind der Benefit, nach dem Generation Z fragt, bevor sie nach Gehalt fragt.

In diesem Leitfaden zeige ich dir, wie ein Zeitwertkonto funktioniert, was es dich kostet, wie du es einrichtest — und wann es sich nicht lohnt.

TL;DR

Ein Zeitwertkonto ist ein Sparkonto für Arbeitszeit: Mitarbeiter sparen Brutto steuer- und SV-frei an, nehmen sich später bezahlte Auszeiten (Sabbatical, Frühpension, Pflege). Kosten für den AG: kein Gehalt (MA spart eigenes Geld), nur Verwaltung ~300 €/MA/Jahr + Insolvenzschutz. Funktioniert ab 10 MA. Kein anderes Benefit bietet bezahlte Freiheit — und 99 % der KMU nutzen es nicht. Gesetzliche Pflicht: Insolvenzschutz nach § 7e SGB IV.

Sabbatical, Frühpension, Pflegezeit — Zeitwertkonten machen Dinge möglich, die kein anderes Benefit bieten kann: bezahlte Freiheit. Dein Mitarbeiter spart Teile seines Bruttogehalts an, und nimmt sich später eine Auszeit — bei vollem Gehalt und mit Sozialversicherungsschutz.

Klingt nach Großkonzern-Modell? Ist es nicht. Zeitwertkonten funktionieren ab 10 Mitarbeitern, kosten dich als Arbeitgeber im Kern nichts und sind der Benefit, nach dem Generation Z fragt, bevor sie nach Gehalt fragt.

In diesem Leitfaden zeige ich dir, wie ein Zeitwertkonto funktioniert, was es dich kostet, wie du es einrichtest — und wann es sich nicht lohnt.

Was ist ein Zeitwertkonto? Einfach erklärt

Ein Zeitwertkonto (auch Langzeitkonto oder Wertguthaben) ist ein Sparkonto für Arbeitszeit. Dein Mitarbeiter legt einen Teil seines Bruttogehalts steuer- und sozialversicherungsfrei zurück — und nutzt das Guthaben später für eine bezahlte Freistellung.

Der Clou: Während der Freistellung läuft das Arbeitsverhältnis weiter. Gehalt wird weitergezahlt, Sozialversicherungsschutz bleibt bestehen, Rentenansprüche laufen weiter. Aus Sicht der Sozialversicherung ist der Mitarbeiter nie "weg".

Rechtsgrundlage: § 7b bis § 7f SGB IV (Wertguthabenvereinbarung), Flexi-II-Gesetz (2009).

So funktioniert es: Ansparen, Anlegen, Entnehmen

Phase 1: Ansparen

Der Mitarbeiter verzichtet auf einen Teil seines Bruttogehalts — oder bringt Überstunden, Urlaubstage oder Bonuszahlungen ein. Alles fließt ins Zeitwertkonto.

Was eingebracht werden kann:

  • Teile des Monatsgehalts (z. B. 200–500 €/Monat)

  • Überstunden (monetarisiert)

  • Nicht genommene Urlaubstage

  • Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld, Bonus, Prämien)

  • Schichtzulagen, Mehrarbeitszuschläge

Phase 2: Anlegen

Das Wertguthaben wird verzinslich angelegt. Je nach Modell:

  • Fondsbasiert (ETF-/Aktienfondsanlage — höhere Rendite, Marktrisiko)

  • Versicherungsbasiert (Garantiezins — sicher, niedrigere Rendite)

  • Festzinsmodell (fester Zinssatz — planbar, keine Überraschungen)

Insolvenzschutz ist gesetzliche Pflicht (§ 7e SGB IV). Das Wertguthaben muss gegen Insolvenz des Arbeitgebers abgesichert sein — z. B. über eine Treuhandlösung, Verpfändung oder Kautionsversicherung.

Phase 3: Entnehmen

Der Mitarbeiter stellt einen Antrag auf Freistellung. Während der Freistellung wird das Wertguthaben wie normales Gehalt ausgezahlt:

  • Lohnsteuer wird einbehalten (nachgelagerte Besteuerung)

  • SV-Beiträge werden abgeführt

  • Rentenansprüche laufen weiter

  • KV-Schutz bleibt bestehen

Steuerliche Behandlung: Wann zahlt wer Steuern?

Das Zeitwertkonto nutzt die nachgelagerte Besteuerung — wie die bAV, aber mit einem wichtigen Unterschied: Es gibt keine Fördergrenzen (wie die 676 €/Monat bei der bAV). Theoretisch kann dein Mitarbeiter sein gesamtes Gehalt einzahlen.

Phase

Steuer

Sozialversicherung

Ansparen

Steuerfrei

SV-frei

Anlegen

Erträge steuerfrei

SV-frei

Entnehmen (Freistellung)

Voll lohnsteuerpflichtig

Voll SV-pflichtig

Progressionsvorteil im Alter

Wenn ein Mitarbeiter das Zeitwertkonto für eine vorgezogene Freistellung vor der Rente nutzt (z. B. ab 63 statt 67), liegt sein Steuersatz während der Entnahme oft niedriger als während der Ansparphase — weil das Jahreseinkommen geringer ist. Das ist der gleiche Progressionsvorteil wie bei der bAV.

Für dich als Arbeitgeber:

  • Keine direkten Steuervorteile (der Mitarbeiter spart sein eigenes Brutto an)

  • Keine SV-Beiträge auf den angesparten Betrag während der Ansparphase

  • SV-Beiträge auf den ausgezahlten Betrag während der Freistellung — wie bei normalem Gehalt

  • Kosten für Insolvenzschutz und Administration sind Betriebsausgaben

Was kostet ein Zeitwertkonto den Arbeitgeber?

Die direkte Antwort: Das Zeitwertkonto kostet dich kein Gehalt — der Mitarbeiter spart sein eigenes Brutto an. Deine Kosten liegen in der Infrastruktur:

Kostenpunkt

Einmalig

Laufend (pro MA/Jahr)

Einrichtung (Beratung, Vertragsgestaltung)

3.000–8.000 €

Insolvenzschutz (Treuhand/Kautionsversicherung)

50–150 €

Verwaltung (Anbieter-Gebühren)

100–300 €

Fondsgebühren (bei Kapitalanlage)

0,3–1,5 % des Guthabens

Gesamt (bei 30 MA)

~5.000 €

~6.000–12.000 €/Jahr

Pro Mitarbeiter: 200–400 €/Jahr für Verwaltung + Insolvenzschutz.

Optionaler AG-Zuschuss: Viele Arbeitgeber zahlen einen freiwilligen Zuschuss ins Zeitwertkonto — z. B. 10–20 % auf die Eigeneinzahlung. Das ist kein Muss, verstärkt aber die Bindungswirkung erheblich.

In 5 Schritten zum Zeitwertkonto im Betrieb

Schritt 1: Betriebsvereinbarung erstellen

Definiere die Rahmenbedingungen:

  • Wer ist berechtigt (Wartezeit? Mindestbetriebszugehörigkeit?)

  • Was kann eingebracht werden (Gehalt, Überstunden, Bonus?)

  • Wie hoch ist die Mindest-/Höchsteinzahlung?

  • Welche Freistellungszwecke sind erlaubt?

  • Wie wird das Guthaben angelegt?

Schritt 2: Anbieter/Treuhänder auswählen

Du brauchst einen spezialisierten Anbieter für:

  • Kontoführung (digitale Plattform für MA-Zugriff)

  • Kapitalanlage (Fonds, Versicherung oder Festzins)

  • Insolvenzschutz (gesetzliche Pflicht nach § 7e SGB IV)

Anbieter: Allianz, DUK (Deutsche Unterstützungskasse), R+V, DEVK u.a.

Schritt 3: Insolvenzschutz einrichten

Gesetzliche Pflicht. Die gängigsten Modelle:

  • Treuhandmodell: Externes Treuhandkonto (Standard für KMU)

  • Verpfändung: Wertguthaben wird verpfändet

  • Kautionsversicherung: Versicherung gegen Insolvenz

Schritt 4: Mitarbeiter informieren

Das ist der entscheidende Moment. Zeitwertkonten sind erklärungsbedürftig — die meisten Mitarbeiter haben noch nie davon gehört. Eine persönliche Infoveranstaltung mit konkreten Szenarien (Sabbatical, Frühpension) wirkt besser als jede E-Mail.

Schritt 5: Laufende Verwaltung

  • Monatliche Einzahlungen über Lohnabrechnung

  • Jährliche Information an Mitarbeiter (Kontostand, Wertentwicklung)

  • Regelmäßige Prüfung des Insolvenzschutzes

Dein Zeitaufwand: Einrichtung in 4–6 Wochen. Danach: ~2 Stunden/Monat für Administration (bei externem Anbieter).

Konkrete Szenarien: Sabbatical, Frühpension, Pflege

Szenario

Ansparzeit

Monatliche Einzahlung

Ergebnis

6 Monate Sabbatical

5 Jahre

500 €/Monat Brutto

~32.000 € → 6 Monate bezahlte Auszeit

1 Jahr Frühpension

15 Jahre

300 €/Monat Brutto

~60.000 € → 12 Monate früher in Rente

3 Monate Pflegezeit

3 Jahre

400 €/Monat Brutto

~15.000 € → Eltern pflegen ohne Gehaltsverlust

Weiterbildungsjahr

4 Jahre

350 €/Monat Brutto

~18.000 € → 12 Monate Studium bei vollem Gehalt

Praxis-Beispiel: Installationsbetrieb, Sabbatical

Einer meiner Mandanten — Installationsbetrieb, 45 Mitarbeiter — hat 2023 Zeitwertkonten eingeführt. 12 Mitarbeiter nutzen es aktiv. Der erste hat 2025 sein Sabbatical genommen: 4 Monate Neuseeland. Mit Familie.

Der Betriebsleiter sagte: "Das hat sich rumgesprochen. Wir haben seitdem 3 Bewerbungen bekommen, die explizit wegen dem Zeitwertkonto kamen."

Zeitwertkonto Nachteile — die ehrliche Seite

1. Verwaltungsaufwand höher als bei bAV

Ein Zeitwertkonto braucht einen Insolvenzschutz, eine Betriebsvereinbarung und laufende Verwaltung. Für Betriebe unter 10 MA steht der Aufwand oft nicht im Verhältnis zum Nutzen.

2. Keine direkte Steuerersparnis für den Arbeitgeber

Anders als bei der bAV (AG-Zuschuss = Betriebsausgabe mit SV-Ersparnis) hat der Arbeitgeber beim Zeitwertkonto keinen direkten finanziellen Vorteil. Die Kosten liegen in der Infrastruktur — der Nutzen in der Mitarbeiterbindung.

3. Kapitalanlagerisiko

Bei fondsbasierter Anlage kann das Wertguthaben schwanken. Das ist für Mitarbeiter, die kurzfristig entnehmen wollen, problematisch. Lösung: konservative Anlage ab 5 Jahre vor geplanter Entnahme.

4. Komplexität bei Kündigung

Wenn ein Mitarbeiter kündigt, kann das Wertguthaben:

  • Zum neuen Arbeitgeber übertragen werden (wenn dieser auch ein ZWK hat)

  • In die Deutsche Rentenversicherung eingebracht werden

  • Ausgezahlt werden (dann sofortige Versteuerung + SV-Beiträge)

Die Portabilität ist gesetzlich geregelt, aber in der Praxis nicht immer einfach.

5. Nicht für jeden Mitarbeiter sinnvoll

Mitarbeiter mit niedrigem Gehalt können kaum genug ansparen. Mitarbeiter mit Schulden oder Immobilienkredit brauchen das Brutto eher jetzt als in 10 Jahren. Zeitwertkonten sind am attraktivsten für Mitarbeiter ab ~3.000 € Brutto mit langfristiger Perspektive.

Häufige Fragen zum Zeitwertkonto

Was ist ein Zeitwertkonto einfach erklärt? Ein Zeitwertkonto ist ein Sparkonto für Arbeitszeit. Du sparst als Mitarbeiter Teile deines Bruttogehalts steuer- und SV-frei an — und nutzt das Guthaben später für bezahlte Auszeiten wie Sabbatical, Pflegezeit oder vorgezogenen Ruhestand. Während der Freistellung läuft das Arbeitsverhältnis weiter.

Ist ein Zeitwertkonto Pflicht für Arbeitgeber? Nein — Zeitwertkonten sind freiwillig. Es gibt keinen Rechtsanspruch (anders als bei der bAV/Entgeltumwandlung). Aber: Wer eines anbietet, hat ein echtes Alleinstellungsmerkmal — weil fast kein KMU diesen Baustein aktiv nutzt.

Was kostet ein Zeitwertkonto den Arbeitgeber? Die Einrichtung kostet 3.000–8.000 €. Laufend: ~200–400 € pro Mitarbeiter pro Jahr (Verwaltung + Insolvenzschutz). Das Guthaben finanziert der Mitarbeiter selbst. Ein freiwilliger AG-Zuschuss verstärkt die Bindungswirkung, ist aber kein Muss.

Was passiert mit dem Zeitwertkonto bei Kündigung? Das Wertguthaben ist insolvenzgeschützt (gesetzliche Pflicht). Bei Kündigung kann es zum neuen Arbeitgeber übertragen, in die Deutsche Rentenversicherung eingebracht oder ausgezahlt werden (dann Sofortversteuerung). Die Portabilität ist gesetzlich geregelt (§ 7f SGB IV).

Ab wie vielen Mitarbeitern lohnt sich ein Zeitwertkonto? Wirtschaftlich sinnvoll ab ~10–15 Mitarbeitern, wenn mindestens 5–6 aktiv einzahlen. Der Verwaltungsaufwand lohnt sich nicht für 2–3 Nutzer. Die Teilnahmequote liegt erfahrungsgemäß bei 20–40 % — steigend, wenn der Arbeitgeber einen Zuschuss zahlt.

Fazit

Das Zeitwertkonto ist der unterschätzte Baustein der betrieblichen Vorsorge. Kein anderes Benefit bietet das, was es bietet: bezahlte Freiheit. Sabbatical, Frühpension, Pflegezeit — Dinge, die sich kein Mitarbeiter mit normalem Gehalt leisten kann.

Für dich als Arbeitgeber kostet es kein Gehalt, nur Infrastruktur. Und die Wirkung auf die Mitarbeiterbindung ist enorm — weil du etwas anbietest, das 99 % deiner Wettbewerber nicht haben.

Zeitwertkonto für dein Unternehmen einrichten? Wir zeigen dir, welches Modell passt und wie du es in 4–6 Wochen umsetzt — schlüsselfertig.

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Quellen: § 7b–7f SGB IV, Flexi-II-Gesetz, BAG-Urteile zu Wertguthaben, eigene Beratungspraxis

Sabbatical, Frühpension, Pflegezeit — Zeitwertkonten machen Dinge möglich, die kein anderes Benefit bieten kann: bezahlte Freiheit. Dein Mitarbeiter spart Teile seines Bruttogehalts an, und nimmt sich später eine Auszeit — bei vollem Gehalt und mit Sozialversicherungsschutz.

Klingt nach Großkonzern-Modell? Ist es nicht. Zeitwertkonten funktionieren ab 10 Mitarbeitern, kosten dich als Arbeitgeber im Kern nichts und sind der Benefit, nach dem Generation Z fragt, bevor sie nach Gehalt fragt.

In diesem Leitfaden zeige ich dir, wie ein Zeitwertkonto funktioniert, was es dich kostet, wie du es einrichtest — und wann es sich nicht lohnt.

Was ist ein Zeitwertkonto? Einfach erklärt

Ein Zeitwertkonto (auch Langzeitkonto oder Wertguthaben) ist ein Sparkonto für Arbeitszeit. Dein Mitarbeiter legt einen Teil seines Bruttogehalts steuer- und sozialversicherungsfrei zurück — und nutzt das Guthaben später für eine bezahlte Freistellung.

Der Clou: Während der Freistellung läuft das Arbeitsverhältnis weiter. Gehalt wird weitergezahlt, Sozialversicherungsschutz bleibt bestehen, Rentenansprüche laufen weiter. Aus Sicht der Sozialversicherung ist der Mitarbeiter nie "weg".

Rechtsgrundlage: § 7b bis § 7f SGB IV (Wertguthabenvereinbarung), Flexi-II-Gesetz (2009).

So funktioniert es: Ansparen, Anlegen, Entnehmen

Phase 1: Ansparen

Der Mitarbeiter verzichtet auf einen Teil seines Bruttogehalts — oder bringt Überstunden, Urlaubstage oder Bonuszahlungen ein. Alles fließt ins Zeitwertkonto.

Was eingebracht werden kann:

  • Teile des Monatsgehalts (z. B. 200–500 €/Monat)

  • Überstunden (monetarisiert)

  • Nicht genommene Urlaubstage

  • Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld, Bonus, Prämien)

  • Schichtzulagen, Mehrarbeitszuschläge

Phase 2: Anlegen

Das Wertguthaben wird verzinslich angelegt. Je nach Modell:

  • Fondsbasiert (ETF-/Aktienfondsanlage — höhere Rendite, Marktrisiko)

  • Versicherungsbasiert (Garantiezins — sicher, niedrigere Rendite)

  • Festzinsmodell (fester Zinssatz — planbar, keine Überraschungen)

Insolvenzschutz ist gesetzliche Pflicht (§ 7e SGB IV). Das Wertguthaben muss gegen Insolvenz des Arbeitgebers abgesichert sein — z. B. über eine Treuhandlösung, Verpfändung oder Kautionsversicherung.

Phase 3: Entnehmen

Der Mitarbeiter stellt einen Antrag auf Freistellung. Während der Freistellung wird das Wertguthaben wie normales Gehalt ausgezahlt:

  • Lohnsteuer wird einbehalten (nachgelagerte Besteuerung)

  • SV-Beiträge werden abgeführt

  • Rentenansprüche laufen weiter

  • KV-Schutz bleibt bestehen

Steuerliche Behandlung: Wann zahlt wer Steuern?

Das Zeitwertkonto nutzt die nachgelagerte Besteuerung — wie die bAV, aber mit einem wichtigen Unterschied: Es gibt keine Fördergrenzen (wie die 676 €/Monat bei der bAV). Theoretisch kann dein Mitarbeiter sein gesamtes Gehalt einzahlen.

Phase

Steuer

Sozialversicherung

Ansparen

Steuerfrei

SV-frei

Anlegen

Erträge steuerfrei

SV-frei

Entnehmen (Freistellung)

Voll lohnsteuerpflichtig

Voll SV-pflichtig

Progressionsvorteil im Alter

Wenn ein Mitarbeiter das Zeitwertkonto für eine vorgezogene Freistellung vor der Rente nutzt (z. B. ab 63 statt 67), liegt sein Steuersatz während der Entnahme oft niedriger als während der Ansparphase — weil das Jahreseinkommen geringer ist. Das ist der gleiche Progressionsvorteil wie bei der bAV.

Für dich als Arbeitgeber:

  • Keine direkten Steuervorteile (der Mitarbeiter spart sein eigenes Brutto an)

  • Keine SV-Beiträge auf den angesparten Betrag während der Ansparphase

  • SV-Beiträge auf den ausgezahlten Betrag während der Freistellung — wie bei normalem Gehalt

  • Kosten für Insolvenzschutz und Administration sind Betriebsausgaben

Was kostet ein Zeitwertkonto den Arbeitgeber?

Die direkte Antwort: Das Zeitwertkonto kostet dich kein Gehalt — der Mitarbeiter spart sein eigenes Brutto an. Deine Kosten liegen in der Infrastruktur:

Kostenpunkt

Einmalig

Laufend (pro MA/Jahr)

Einrichtung (Beratung, Vertragsgestaltung)

3.000–8.000 €

Insolvenzschutz (Treuhand/Kautionsversicherung)

50–150 €

Verwaltung (Anbieter-Gebühren)

100–300 €

Fondsgebühren (bei Kapitalanlage)

0,3–1,5 % des Guthabens

Gesamt (bei 30 MA)

~5.000 €

~6.000–12.000 €/Jahr

Pro Mitarbeiter: 200–400 €/Jahr für Verwaltung + Insolvenzschutz.

Optionaler AG-Zuschuss: Viele Arbeitgeber zahlen einen freiwilligen Zuschuss ins Zeitwertkonto — z. B. 10–20 % auf die Eigeneinzahlung. Das ist kein Muss, verstärkt aber die Bindungswirkung erheblich.

In 5 Schritten zum Zeitwertkonto im Betrieb

Schritt 1: Betriebsvereinbarung erstellen

Definiere die Rahmenbedingungen:

  • Wer ist berechtigt (Wartezeit? Mindestbetriebszugehörigkeit?)

  • Was kann eingebracht werden (Gehalt, Überstunden, Bonus?)

  • Wie hoch ist die Mindest-/Höchsteinzahlung?

  • Welche Freistellungszwecke sind erlaubt?

  • Wie wird das Guthaben angelegt?

Schritt 2: Anbieter/Treuhänder auswählen

Du brauchst einen spezialisierten Anbieter für:

  • Kontoführung (digitale Plattform für MA-Zugriff)

  • Kapitalanlage (Fonds, Versicherung oder Festzins)

  • Insolvenzschutz (gesetzliche Pflicht nach § 7e SGB IV)

Anbieter: Allianz, DUK (Deutsche Unterstützungskasse), R+V, DEVK u.a.

Schritt 3: Insolvenzschutz einrichten

Gesetzliche Pflicht. Die gängigsten Modelle:

  • Treuhandmodell: Externes Treuhandkonto (Standard für KMU)

  • Verpfändung: Wertguthaben wird verpfändet

  • Kautionsversicherung: Versicherung gegen Insolvenz

Schritt 4: Mitarbeiter informieren

Das ist der entscheidende Moment. Zeitwertkonten sind erklärungsbedürftig — die meisten Mitarbeiter haben noch nie davon gehört. Eine persönliche Infoveranstaltung mit konkreten Szenarien (Sabbatical, Frühpension) wirkt besser als jede E-Mail.

Schritt 5: Laufende Verwaltung

  • Monatliche Einzahlungen über Lohnabrechnung

  • Jährliche Information an Mitarbeiter (Kontostand, Wertentwicklung)

  • Regelmäßige Prüfung des Insolvenzschutzes

Dein Zeitaufwand: Einrichtung in 4–6 Wochen. Danach: ~2 Stunden/Monat für Administration (bei externem Anbieter).

Konkrete Szenarien: Sabbatical, Frühpension, Pflege

Szenario

Ansparzeit

Monatliche Einzahlung

Ergebnis

6 Monate Sabbatical

5 Jahre

500 €/Monat Brutto

~32.000 € → 6 Monate bezahlte Auszeit

1 Jahr Frühpension

15 Jahre

300 €/Monat Brutto

~60.000 € → 12 Monate früher in Rente

3 Monate Pflegezeit

3 Jahre

400 €/Monat Brutto

~15.000 € → Eltern pflegen ohne Gehaltsverlust

Weiterbildungsjahr

4 Jahre

350 €/Monat Brutto

~18.000 € → 12 Monate Studium bei vollem Gehalt

Praxis-Beispiel: Installationsbetrieb, Sabbatical

Einer meiner Mandanten — Installationsbetrieb, 45 Mitarbeiter — hat 2023 Zeitwertkonten eingeführt. 12 Mitarbeiter nutzen es aktiv. Der erste hat 2025 sein Sabbatical genommen: 4 Monate Neuseeland. Mit Familie.

Der Betriebsleiter sagte: "Das hat sich rumgesprochen. Wir haben seitdem 3 Bewerbungen bekommen, die explizit wegen dem Zeitwertkonto kamen."

Zeitwertkonto Nachteile — die ehrliche Seite

1. Verwaltungsaufwand höher als bei bAV

Ein Zeitwertkonto braucht einen Insolvenzschutz, eine Betriebsvereinbarung und laufende Verwaltung. Für Betriebe unter 10 MA steht der Aufwand oft nicht im Verhältnis zum Nutzen.

2. Keine direkte Steuerersparnis für den Arbeitgeber

Anders als bei der bAV (AG-Zuschuss = Betriebsausgabe mit SV-Ersparnis) hat der Arbeitgeber beim Zeitwertkonto keinen direkten finanziellen Vorteil. Die Kosten liegen in der Infrastruktur — der Nutzen in der Mitarbeiterbindung.

3. Kapitalanlagerisiko

Bei fondsbasierter Anlage kann das Wertguthaben schwanken. Das ist für Mitarbeiter, die kurzfristig entnehmen wollen, problematisch. Lösung: konservative Anlage ab 5 Jahre vor geplanter Entnahme.

4. Komplexität bei Kündigung

Wenn ein Mitarbeiter kündigt, kann das Wertguthaben:

  • Zum neuen Arbeitgeber übertragen werden (wenn dieser auch ein ZWK hat)

  • In die Deutsche Rentenversicherung eingebracht werden

  • Ausgezahlt werden (dann sofortige Versteuerung + SV-Beiträge)

Die Portabilität ist gesetzlich geregelt, aber in der Praxis nicht immer einfach.

5. Nicht für jeden Mitarbeiter sinnvoll

Mitarbeiter mit niedrigem Gehalt können kaum genug ansparen. Mitarbeiter mit Schulden oder Immobilienkredit brauchen das Brutto eher jetzt als in 10 Jahren. Zeitwertkonten sind am attraktivsten für Mitarbeiter ab ~3.000 € Brutto mit langfristiger Perspektive.

Häufige Fragen zum Zeitwertkonto

Was ist ein Zeitwertkonto einfach erklärt? Ein Zeitwertkonto ist ein Sparkonto für Arbeitszeit. Du sparst als Mitarbeiter Teile deines Bruttogehalts steuer- und SV-frei an — und nutzt das Guthaben später für bezahlte Auszeiten wie Sabbatical, Pflegezeit oder vorgezogenen Ruhestand. Während der Freistellung läuft das Arbeitsverhältnis weiter.

Ist ein Zeitwertkonto Pflicht für Arbeitgeber? Nein — Zeitwertkonten sind freiwillig. Es gibt keinen Rechtsanspruch (anders als bei der bAV/Entgeltumwandlung). Aber: Wer eines anbietet, hat ein echtes Alleinstellungsmerkmal — weil fast kein KMU diesen Baustein aktiv nutzt.

Was kostet ein Zeitwertkonto den Arbeitgeber? Die Einrichtung kostet 3.000–8.000 €. Laufend: ~200–400 € pro Mitarbeiter pro Jahr (Verwaltung + Insolvenzschutz). Das Guthaben finanziert der Mitarbeiter selbst. Ein freiwilliger AG-Zuschuss verstärkt die Bindungswirkung, ist aber kein Muss.

Was passiert mit dem Zeitwertkonto bei Kündigung? Das Wertguthaben ist insolvenzgeschützt (gesetzliche Pflicht). Bei Kündigung kann es zum neuen Arbeitgeber übertragen, in die Deutsche Rentenversicherung eingebracht oder ausgezahlt werden (dann Sofortversteuerung). Die Portabilität ist gesetzlich geregelt (§ 7f SGB IV).

Ab wie vielen Mitarbeitern lohnt sich ein Zeitwertkonto? Wirtschaftlich sinnvoll ab ~10–15 Mitarbeitern, wenn mindestens 5–6 aktiv einzahlen. Der Verwaltungsaufwand lohnt sich nicht für 2–3 Nutzer. Die Teilnahmequote liegt erfahrungsgemäß bei 20–40 % — steigend, wenn der Arbeitgeber einen Zuschuss zahlt.

Fazit

Das Zeitwertkonto ist der unterschätzte Baustein der betrieblichen Vorsorge. Kein anderes Benefit bietet das, was es bietet: bezahlte Freiheit. Sabbatical, Frühpension, Pflegezeit — Dinge, die sich kein Mitarbeiter mit normalem Gehalt leisten kann.

Für dich als Arbeitgeber kostet es kein Gehalt, nur Infrastruktur. Und die Wirkung auf die Mitarbeiterbindung ist enorm — weil du etwas anbietest, das 99 % deiner Wettbewerber nicht haben.

Zeitwertkonto für dein Unternehmen einrichten? Wir zeigen dir, welches Modell passt und wie du es in 4–6 Wochen umsetzt — schlüsselfertig.

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